
Porträt
Eine Erfolgsstory in mehreren Akten
Man könnte an dieser Stelle anfangen, alle Siege von Hanka Kupfernagel aufzuzählen. Man könnte mit den insgesamt 5 WM-Titeln anfangen, über 30 Erfolge bei deutschen Meisterschaften referieren und ein wenig über die 6 Ehrungen zur Radsportlerin des Jahres plaudern. Man könnte diese Liste vor allem noch ewig fortsetzen.
Denn eines ist sicher: Es gibt nicht viele Sportlerinnen auf diesem Planeten, deren Erfolgsbilanz so imposant ist wie jene der Thüringerin. Im Januar 2009 wurde sie zum achten Mal Deutsche Cross-Meisterin, seit Einführung der WM in dieser Disziplin im Jahr 2000 stand sie bis auf einmal (2007) immer auf dem Treppchen. Und auch auf der Straße gehört sie zu den Besten. Hanka Kupfernagel hat also eine Menge Routine, was das Titelhamstern angeht. Eine These, mit der sie selbst allerdings nicht allzu viel anfangen kann. „Siege sind nie Routine“, sagt sie, „jeder Erfolg ist etwas Besonderes und hat seine ganz eigene Geschichte.“ Es sind eine Menge Geschichten zusammengekommen im Lauf der Jahre.
Das erste Kapitel wird schon früh in der damaligen DDR geschrieben. Hanka Kupfernagel ist ein großes Talent, ihre Ausbildung umfassend. Im Sommer trainiert sie auf der Straße, im Herbst auf der Bahn, im Winter im Gelände. Das ist erstens gut für die Technik und macht der 12-Jährigen zweitens eine Menge Spaß.
Hanka Kupfernagel wird erst einmal eine erfolgreiche Straßenfahrerin. Der Crosssport, heißt es damals, sei nichts für Frauen. Eine Meinung, die Hanka Kupfernagel ganz und gar nicht teilt. Sie ist ständig im Gelände. Am Wochenende begleitet sie ihren Bruder als Betreuerin zu den Rennen, unter der Woche trainiert sie mit den Männern - und sie ist heiß darauf, selber zu fahren. Aber es gibt keinen, der sie lässt. Das ändert sich Ende der 90er Jahre, 2000 wird endlich zum ersten Mal eine Cross-WM für Frauen ausgerichtet. „Ich konnte es kaum erwarten“, erzählt Hanka Kupfernagel. Das war gut für sie - aber schlecht für die Konkurrenz. Denn die Deutsche ist stark. Zu stark für die Gegnerin. Seitdem fährt sie Jahr für Jahr Siege ein. Und wenn es so etwas wie eine Mrs. Allround des Radsports geben sollte, dann ist es Hanka Kupfernagel. Im Sommer fährt sie auf der Straße vorne mit, im Winter im Gelände.
Auf der Straße feiert sie 2007 vor heimischem Publikum einen ihrer größten Triumphe. Bei der WM in Stuttgart gewinnt sie das Einzelzeitfahren. Die Experten sind begeistert, die Öffentlichkeit weitestgehend desinteressiert. Es wird in den Tagen von Stuttgart über andere Dinge als Sport gesprochen, vor allem über Doping. „Das war schon bitter“, erinnert sie sich, „ich habe mich wie ein Lottogewinner gefühlt, der kein Geld bekommt.“ Aber Hanka Kupfernagel wird noch ein paar Mal versuchen, den Jackpot zu knacken. 2011 findet die Cross-WM in St. Wendel statt, 2012 die Olympischen Spiele in London. Hanka Kupfernagel sagt: „Ich habe mir noch einiges vorgenommen.“
Das wird die Konkurrenz gar nicht gerne hören.
