
Hoffnungen auf der Insel
10. MÄRZ 2009
Erschienen in: Thüringer Allgemeine
Radcross-Weltcup-Siegerin Hanka Kupfernagel ist die TA-Sportlerin des Monats Januar. Die WM-Zweite gewann in der Leserwahl den ein Kilo schweren Schokoladen-Goldhelm vor Biathlet Christoph Stephan und Skeleton-Pilot Frank Rommel. TA sprach mit der 34-Jährigen über Schokolade, Biathlon, Golf und ein Baby.
Essen Sie gern Schokolade?
Oh ja. Ich denke manchmal: Ich trainiere nur, um dann etwas Gutes zu genießen. (lacht) Es sind ein paar Tafeln pro Woche. Die Richtungen Mandel, Zartbitter und Rum-Traube mag ich am liebsten, finde ich aufregender als Vollmilch.
Der Goldhelm ist aber aus Vollmilch-Schokolade...
Na, das ess' ich auch. aber es ist gleich ein Grund, ihn mit guten Freunden zu teilen.
Überrascht Sie die Wahl?
Ich hätte es wirklich nicht erwartet. Dass ich in einem Wintersportland wie Thüringen vor Wintersportlern liege, freut mich umso mehr. Es ist ein i-Tüpfelchen auf die Saison. Ich muss aber gestehen, dass ich mir selbst sehr gern Biathlon und Skisport anschaue. Danke an alle für dieses Votum.
Das heißt, Sie gucken ab Samstag Biathlon-WM?
Na, ab Sonntag. Bis dahin bin ich auf Fuerteventura im Urlaub. Da gibt es anderes zu erleben. Allerdings hoffe ich, dass ich ungestört von meiner Erkältung schauen kann.
Beim Radtraining passiert?
Nein, das nehme ich nicht in den Urlaub mit. Die Zeiten sind vorbei. Nein, es war wohl beim Volleyball passiert. Kurz nach Saisonhöhepunkten erwischt es mich oft.
Schmerzt es Sie noch ein wenig, um nur eine Sekunde am fünften WM-Titel vorbeigefahren zu sein?
Nein, ich bin mit der Saison hochzufrieden. Neben Gesamt-Weltcupsieg, Führung in der Weltrangliste und EM-Titel war ich auch auf den Tag X topfit. Da kann ich es verschmerzen, Marianne Vos - der weltbesten Sprinterin – im Endspurt knapp unterlegen zu sein.
Im Schlamm oder Schnee zu fahren, dazu Stürze auf gefrorenem Boden macht Radcross eigentlich Spaß?
Ja. Wenn du merkst, wie du auf der Maschine mit dem Gelände zurechtkommst, ist das ein tolles Gefühl.
Kann man/frau vom Radcross eigentlich gut leben?
Naja, ich fahre zum Glück auch noch Straße und Mountainbike. Seit den WM-Anfängen im Jahr 2000 hat sich, auch in punkto Preisgeld endlich etwas getan. Top-Athleten haben ihr Auskommen, darunter wird es schwieriger. Wenn du nicht gerade in Holland oder Belgien bist, wo die Disziplin am populärsten ist.
Ihr Lebensgefährte Mike Kluge war dreimal Weltmeister. Welche Tipps gibt er?
Mike ist die wichtigste Person in meinem Leben. Er hat mir wieder Zuversicht gegeben und Blockaden gelöst, als ich 2005 am Burnout-Syndrom litt, als Körper und Geist streikten. Der Umschwung zum Positiven geschah übrigens genau hier im Urlaub auf Fuerteventura. Naja, wir fahren vor dem Rennen immer gemeinsam die Cross-Strecken ab. Mal entdeckt er die bessere Linie im Gelände, mal ich. Wir ergänzen uns eben.
Die Planung für die Sommersaison steht?
Ich werde mich zuerst auf die deutsche Zeitfahrmeisterschaft konzentrieren, wo ich meinen Titel verteidigen will. Dazu als Vorbereitung einige Rundfahrten, aber ruhiger als in den Jahren zuvor. Dann die Thüringen-Rundfahrt.
Und international?
Das hängt vom Saisonverlauf ab. Auch davon, wie ich nach dem Sponsorwechsel mit dem neuen Stevens-Rad zurechtkomme. Die WM ist Fernziel.
Das Verhältnis zum abgetretenen Bundestrainer Jochen Dornbusch war zuletzt angespannt. Hegen Sie unter seinem Nachfolger Thomas Liese neue Hoffnungen?
Ich habe von Thomas Liese bisher nur Positives gehört und erlebt, als er mit anderen Teams im Tross unterwegs war. Ende Februar werden wir uns erstmals zusammensetzen und Möglichkeiten besprechen.
Haben Sie Sorge, dass das Comeback von Lance Armstrong alles andere im Radsport in den Schatten stellt?
Ja, es ist schade, dass vieles Interessantes hinten runterfällt. Da müssten sich auch alle, die über Radsport berichten, mal hinterfragen. Ich muss ja auch immer wieder Jüngeren erklären, dass Profiradsport der Männer mit den Dopingproblemen und Frauen-Radsport völlig verschiedene Welten sind. Ich glaube auch, wenn Jan Ullrich wieder anfangen würde, wäre das in Amerika kaum eine Zeile wert.
Apropos Karriere-Ende - wie lange wollen Sie noch aktiv auf dem Rad sitzen?
2012 ist realistisch. Vor allem die Radcross-WM 2011 in St. Wendel lockt mich.
Und danach ein Baby?
Oder dazwischen . . . (lacht)
Sie sagten mal, Sie wollten in Ihrem Leben noch Fallschirmspringen, Kite-Surfen und Boxen lernen…
Ein Box-Camp habe ich hinter mir ist wirklich gut gegen Frust und Aggressionen. Das andere kommt später. Erst einmal übe ich mich derzeit Golf weiter - aber noch ganz ohne Handicap.
Wie oft sind Sie noch in Thüringen?
Meine Eltern wohnen weiter in Neustadt an der Orla. Sie besuche ich oft.
Auch wenn Sie auf der Insel sind: Das Fußball-Thüringenderby steht an. Ihr Tipp?
Ich tendiere ja, regional bedingt, eher zu Carl Zeiss. Ich denke, Jena wird alles geben.
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